Vortrag 600 Jahre Kleinschwarzenbach

Kleinschwarzenbach  1408 wurde die Ortschaft Kleinschwarzenbach erstmals urkundlich erwähnt. In einer Beschreibung des Amtes Schauenstein sind 15 Hofbesitzer namentlich aufgeführt.
Warum ein stattliches Dorf mit so vielen Anwesen vorher nicht genannt wurde, ist unklar.

Allerdings wird in alten Dokumenten auf eine Ortschaft Grub hingewiesen, die geografisch zwischen Helmbrechts und Kollerhammer gelegen haben muss, aber offensichtlich zerstört wurde.

Es wird gemutmaßt, dass Kleinschwarzenbach früher einen anderen Namen trug. Belegt ist jedenfalls, dass es Kleinschwarzenbach seit 600 Jahren gibt.

Dieses Jubiläum war für den Obst- und Gartenbauverein Anlass, zu einer Zeitreise einzuladen. Dazu konnten mit Edwin Greim und Wolfgang Tejkl zwei Referenten gewonnen werden, die sich intensiv mit der Geschichte des Dorfes befassen.

 


Alleinstellungsmerkmal

 

Edwin Greim, ein Kleinschwarzenbacher, der jetzt in Hof wohnt, hat vor 25 Jahren das mit Stroh gedeckte Weberhaus, ein Wahrzeichen der Ortschaft, erworben.
Wie er eingangs seines Vortrags erwähnte, gab es um 1900 noch etwa 20 solcher Gebäude im Dorf.
Heute sind es im Landkreis noch deren vier. Während die Liegenschaften in Neudorf, Kleinlosnitz und Nentschau ihrem Wesen nach wohl früher zu landwirtschaftlichen Höfen gehörten, ist das Kleinschwarzenbacher Gebäude ein „reinrassiges“ Weberhaus.

Greim liegt es am Herzen, dieses Alleinstellungsmerkmal zu erhalten. Gemeinsam mit Bekannten hat er deshalb bereits mehrmals das Strohdach nach einer überlieferten handwerklichen Technik mit einer speziell angebauten Getreidesorte gedeckt.

Von der Geschichte dieses Weberhauses aus unternahm der Referent einen von Bildern begleiteten Streifzug durch die Vergangenheit. Dabei zeigte er zunächst die von einem Geometer im Jahr 1852 handschriftlich akkurat angefertigte Karte, auf der zu erkennen ist, dass die Ortschaft ein typisches Waldhufendorf (eine planmäßig in Gruppen angelegte Siedlung) war. Kleinschwarzenbach gehörte zum Halsgericht Helmbrechts.

Der Redner wartete noch mit weiteren Informationen auf, so teilte er Besitzverhältnisse früherer Tage mit und wusste über die Familie Stadelmann zu berichten.
Diese wurde nach der Gegenreformation aus dem Egerland ausgewiesen und spielte danach in der hiesigen Region eine wichtige Rolle. 1667 wird ein Stadelmann als Schultheiß, also als Bürgermeister, aufgeführt.

Schließlich weckte der Referent so manche Erinnerung mit Fotos aus dem Dorf, in den 50er-, 60er- und 70er-Jahren von Martin Ordnung aufgenommen und von der Familie Kramß zur Verfügung gestellt.

 


Infos zum alten Schulhaus

Mit dem alten Schulhaus befasste sich dann Wolfgang Tejkl. Der stellvertretende Kreisheimatpfleger archiviert im Rathaus Akten der Helmbrechtser Ortsteile. So fand er Informationen zum Schulstätten-Neubau, der 1879 angeordnet wurde.

Dies war notwendig, weil sich das Vorgängergebäude in einem maroden Zustand befand und die Decke gestützt werden musste, um einen Durchbruch der Lehrerwohnung ins Klassenzimmer zu verhindern.
Die Arbeiten am neuen Haus gingen dem Staat damals, wie es in einem Eintrag nachzulesen ist, „zu saumselig“ voran, und auch die von den Betrieben abgestellten Handwerker waren dem Aufsichtsamt zu wenige, sodass gedroht wurde, eigene Mörtelmacher auf Kosten der bauausführenden Firmen anzustellen.

Tejkl berichtete anschaulich und humorvoll, wie die Arbeiter Tätigkeiten anders, teils zweckmäßiger, als von den Auftraggebern gewollt, ausführten und wie es Ärger um Kautionen gab.
Ein Termin, wann die Schule eingeweiht wurde, ist nicht überliefert, aber bekannt ist, dass dem Helmbrechtser Stadtmagistrat seine finanzielle Beteiligung für die Kinder aus dem zur Stadt gehörenden Weiler Kollerhammer zu hoch war.

1904 war sogar von der Errichtung eines zweiten Kleinschwarzenbacher Schulhauses die Rede, nachdem die für 100 Jungen und Mädchen angelegten Räume offensichtlich als nicht ausreichend für die Zukunft betrachtet wurden.

Es war eine ganze Menge an Hintergrundwissen, das den Besuchern, unter ihnen der aus Kleinschwarzenbach stammende Bürgermeister Stefan Pöhlmann, nahegebracht wurde.

Greim und Tejkl könnten sicher noch viel mehr Einzelheiten aus der Geschichte des Dorfes erzählen, über Trüpfhäuser und nicht mehr existierende Zwillingshäuser oder auch über die Zeit des Wiederaufbaues nach dem Zweiten Weltkrieg, als Adolf Hofmann von 1945 bis 1972 das Bürgermeisteramt innehatte und schließlich zum Ehrenbürger ernannt wurde.

  

 

Es gilt als das Kleinschwarzenbacher Wahrzeichen: das einzige noch übriggebliebene strohbedeckte Weberhaus.

Die Familie Greim, die sei 1983 im Besitz des Anwesens ist, bietet Führungen an.

Terminabsprachen per Mail oder unter Tel. 09281/2513

 

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Strohdach des Kleinschwarzenbacher Weberhauses wird erneuert

 

 

am Fr.23.6. und Sa. 24.6. eine Handwerkskunst zu betrachten sein, die schon fast ausgestorben war: Das Dachdecken mit Roggenstroh.

Als Material wird ein extrem langstieliger Winterroggen verwendet. Geerntet wurde er schon im letzten Sommer, mit Dreschflegeln ausgedroschen im vergangenen Winter.

Nachdem in den letzten 35 Jahren das Dach des Weberhauses von den „Klaaschwerzabecher Struuhdoachdeckern“ gepflegt und in ca. 10- jährigem Abstand mehrfach neu gedeckt wurde, wird diese Tätigkeit nun erstmals von „Nachwuchskräften“, den Inhabern der Nentschauer Mühle, Friderike und Johannes Seedorf durchgeführt.

Als erster Bauabschnitt wird die NW-Hälfte des Daches gedeckt. 2018 erfolgt die nächste Ernte und 2019 soll die zweite Dachhälfte gedeckt werden.

Die Methode des Strohdachdeckens nach Frankenwälder Art ist einzig in ihrer Ausführungsart. Es werden hierbei die sog. Schauben (Strohbündel) mit den Ähren nach unten verlegt und mittels eines Endlos-Strohbandes, welches jeweils vom Strohbündel abgesondert und verdreht wird, mit den Querbalken verbunden. Die Abschlüsse im First- und Ortgangbereich erfolgen mit genuteten Lärche-Schindeln.


Links:

PDF: Wie der Adelhann sein Haus umbaute und ein Strohdach darauf setzte
PDF: Strohdach des Kleinschwarzenbacher Weberhauses wird erneuert

 


 

 

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