Strohdachdecken in Oberfranken - Die Letzten ihres Standes

Mit Mitte 20 zog Friederike Seedorf in ein altes strohgedecktes Haus. Das Problem: alle 15 Jahre muss ein Strohdach erneuert werden. Friederike lernte das alte Handwerk - und wird jetzt auf den wenigen erhaltenen Strohdächern im Frankenwald und im Fichtelgebirge dringend gebraucht.

 


Strohdachdecken in Oberfranken - Die Letzten ihres Standes

BR Fernsehen, 29.06.2019, 17:45 Uhr, 11 Min

 

Bericht: Srohdach des Kleinschwarzenbacher Weberhauses wird erneuert

 

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Adrian´s Gschichtla mit dem Thema Aberglauben und Sagen

Adrian Roßner, der junge Heimatforscher aus dem Fichtelgebirge, nimmt uns diesmal mit in den Frankenwald. Dort siedelten sich in den Dörfern viele Handweber an, die in ihren kleinen Häusern zugleich arbeiteten und lebten. Besonders in der Winterzeit erzählten sie sich abends Geschichten. Was es damit auf sich hat und woher der Spruch "Da hängt der Haussegen schief" kommt - Adrian klärt uns über alten Aberglauben auf. Oder haben Sie schon mal von einem Himmelsbrief gehört?  

 

 

 

Link zu BR: Adrians G'schichtla Aberglaube im Frankenwald
Frankenpost: Mystisches aus der Region im Fernsehen



 

Dreharbeiten zu Adrian´s Gschichtla mit dem Thema Aberglauben und Sagen im
Weberhaus Kleinschwarzenbach am 19. und 20.12.2018 im Rahmen der Sendereihe "Wir in Bayern" von BR3

 

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Als der Adelhann sein Haus umbaute ...

Früher waren Strohdächer bei uns in der Region ein gewohntes Bild, Handweber und kleine Bauern konnten sich keinen Schiefer leisten. Die Strohdächer entstanden in mühevoller Handarbeit. Ein paar Unermüdliche setzen sich dafür ein, dass dies nicht in Vergessenheit gerät. 

Die "Klaaschwerzabecher Struuhdoachdecker" Max Spitzbarth, Ingrid Spitzbarth, Alexander Strunz und Edwin Greim haben in den vergangenen Jahren die Dächer der Weberhäuser im Landkreis in Schuss gehalten. Und vor allem ihr Wissen an die nächste Generation weitergegeben. Fotos: Edwin Greim  

 

Früher waren Strohdächer bei uns in der Region ein gewohntes Bild, Handweber und kleine Bauern konnten sich keinen Schiefer leisten. Die Strohdächer entstanden in mühevoller Handarbeit. Ein paar Unermüdliche setzen sich dafür ein, dass dies nicht in Vergessenheit gerät.

 

HELMBRECHTS-KLEINSCHWARZENBACH Viele alte Handwerkstechniken sind mittlerweile veraltet und laufen Gefahr, komplett in Vergessenheit zu geraten. Das Dachdecken mit Stroh gehört sicher auch dazu. In einem Bericht in der ehemaligen Heimatbeilage zum Helmbrechtser Anzeiger aus dem Jahr 1961 beschreibt Gustav Groß das Dachdecken eines Hauses in Kleinschwarzenbach. Im Jahr 1891 hatte in Kleinschwarzenbach fast jedes Gebäude ein Stroh- oder Schindeldach. Die teuren Schieferdächer konnten sich die Handweber und Kleinbauern nicht leisten.


Sanierung

zur Hochzeit

Dass die Strohdächer von der Dämmung her fast schon ideale Werte liefern, wussten die damaligen Bewohner zwar nicht, aber sie schätzten die Luftdurchlässigkeit und Wärmespeicherung dieser Dächer sehr wohl. Gustav Groß erzählt vom Adelhann, einem Kleinbauern, der um 1850 sein mittlerweile von Moos bewachsenes Strohdach schon mehrfach geflickt hatte. Da sein Sohn, der Heiner, heiraten wollte, wurde ein Umbau geplant, natürlich mit Strohdach: "Mer reißen des alt Struhdoach runter, des Mauerwerk untn loss mer steh. Um an Giebel kimmt a Bretterverschalung und afs Heisla setzn mer a Frackdach, su wies in Klaschwerzaboch Moda is. Natierlich decken mir des Doch mit Struh. Morgn fanga mer mit na Dreschen o. Uebern Winter brechn mer afn Stodelberg die Staa und schlag'n im Greeholz des Bauholz", so der Adelhann.

Jetzt, fast 160 Jahre später, kamen in Kleinschwarzenbach die gleichen Handwerkstechniken zum Einsatz. Das Strohdach des Kleinschwarzenbacher Weberhauses war in die Jahre gekommen und musste erneuert werden. Nachdem diese Arbeit in den vergangenen 35 Jahren die "Klaaschwerzabecher Struuhdoachdeckern" übernommen hatten und auch diese in die Jahre gekommen waren, musste Nachwuchs gesucht werden. Als im Jahr 2007 das Strohdach des Neudorfer Weberhauses erneuert wurde, kam der Kontakt zu Friederike und Johannes Seedorf zustande, die in der Nentschauer Mühle wohnen. Diese zeigten sich interessiert an der Erhaltung der Handwerkstechniken des Strohdachdeckens und pflegen bis heute das Strohdach ihrer Mühle, zusammen mit Matthias Müller.

Bis ein neues Strohdach fertig ist, gibt es natürlich einiges zu tun. Schritt eins ist, das geeignete Getreide anzubauen. Der langstielige Karlshulder Winterroggen wächst mannshoch und wird nach der Ernte mit Dreschflegeln ausgedroschen. Das war traditionell Winterarbeit. Der nächste Verarbeitungsschritt ist das Herstellen der so genannten Schauben (Strohbündeln). Dies erfordert sowohl Geschick als auch Kraft in den Händen. Durch das gegenläufige Verdrehen um 360 Grad kommt Festigkeit in die Schauben. Um das ausgefranste Ende optisch schöner zu gestalten, hackt man die überstehenden Halme ab. Die fertigen Bündel müssen dann aufs Dach gebracht und dort befestigt werden. Das Befestigen an den Querbalken ist ebenfalls Geschick- und Kraftsache.

Das war früher nicht anders als heute. Deshalb zurück zum Adelhann und seinen geplanten Umbau: "Der Böhms Gerch vo Baagrie worr der Zimmermoo. Der wollt des Holz im Kollerhomer schneidn lossn. ,Nex gibbs, dess hau ich selber zou', soggt der Adelhann. Die Mauera worrn a scho tetig: Mitn Kalk as der Kalkgroubn und Sand verm Brückles gobs an goutn Mörtl. A gscheits Richtfest gobs a und der Gerch hout na Richtspruch kaltn. Noach zwölfa worrsch, wej er sei windschifa Kappn aufgsetzt hot und Richtung Baagrie haamgeloffn is."

https://www.blickpunkt-verlag.de/bpws/nachrichten/landkreis_hof/art278486,5616154

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